LUDWIG II.

Aufstieg ins Licht

Letzter Brief des Königs

Im Museum der Bayerischen Könige in Hohenschwangau fand am 25.08.2016 anlässlich des 171. Geburtstages von König Ludwig II. ein Festakt statt, bei welchem Herr Dr. Peter Gauweiler
über das Leben, die Politik und die Bedeutung des Königs für Bayern bis heute, referierte.Während des Vortrages verlas Dr. Gauweiler den wahscheinlich letzten handschriftlich verfassten Brief des Königs vom 10. Juni 1886, aus dem hervorgeht, daß der König  bei klarem Bewusstsein und keineswegs geisteskrank war. (In der Nr. 70 der Nachrichten aus den Bayerischen Archiven vom Juli 2016 wird unter der Überschrift: Archivalienankäufe des Wittelsbacher Ausgleichsfonds für das Geheime Hausarchiv   über den Eingang des Briefes informiert.)

König Ludwig II. an seinen Vetter Prinz Ludwig Ferdinand
am 10. Juni 1886 aus Schloss Neuschwanstein:

Theuerster Vetter!
Vergib die schlechte Schrift, ich schreibe dieß in höchster Eile. Denke Dir was Unerhörtes heute geschehen ist!! – Diese Nacht kam eilends einer vom Stallgebäude herauf u. meldete, es wären mehrere Menschen (darunter horribile dictu) ein Minister u. eine meiner Hofchargen in aller Stille angekommen, befahlen meinen Wagen u. Pferde hier (von der oberen Burg) wegzunehmen hinter meinem Rücken, u. wollten mich zwingen nach Linderhof zu fahren, offenbar u. mich dort gefangen zu halten, u. Gott weiß was wohl zu thun, Abdankung zu ertrotzen kurz ein schändliche Verschwörung! Wer kann nur hinter einem solchen Verbrechen stecken, Prz. Luitpold vermuthlich.
Durch Gensdarme u. Feuerwehr, die sich tapfer entgegenstemmen war dieß vorläufig vereitelt. Die Schand-Rebellen wurden arretirt. Behalte dieß Alles bitte vorläufig für Dich. Wie kann aber eine solche Infamitität nur möglich sein!! Bitte forsche selbst u. durch Andere Verlässliche darauf!
Hättest Du so etwas für möglich! gehalten. Schon früher schrieb ich Dir daß ich über absichtlich mit Geld herumgestreute Gerüchte über mich (angebliche Krankheit) an der nicht Sylbe wahr ist p) gehört habe. Es ist zu arg. Es muß Licht in diesen Abgrund von Bosheit kommen! In felsenfestem Vertrauen i. inniger Liebe
Dein
Hohenschw. getreuer Vetter
10. Juni 86 Ludwig
[Ergänzung mit Bleistift:] Dieser Abschaum von Bosheit mich nächtlich überfallen u. gefangen nehmen zu wollen!!!

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